Bücher sind keine Filme!“

 

Der Unterschied zwischen Literatur und Film und wie die beiden sich gegenseitig beeinflussen

Literatur&Kino

Autorin: Gianna Maria Frank 

Datum: 28.08.2016

Schon einmal thematisierte ich im Artikel „Eyes Wide Shut - über Liebe, Trauma und verborgene Fantasien“ kurz, wie die Literatur das Kino beeinflusst und wie sich so manche Filmemacher daran bedienen oder besser gesagt, sich davon inspirieren lassen. Als gutes Beispiel nahm ich damals Stanley Kubrick, der viele Bücher verfilmte. Ich nannte Die Traumnovelle (Eyes Wide Shut), Höllenfeuer (Full Metal Jacket), Shining (Film ist gleichnamig), Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon (Barry Lyndon) und so weiter... Auch 2001: Odyssee im Weltraum, der übrigens letztens auf Arte lief (deshalb möchte ich ihn hier aus diesem recht aktuellen Anlass nicht vergessen zu erwähnen), ist aus einer Inspiration eines Literaturstücks heraus entstanden. Kubrick orientierte sich hier an der Kurzgeschichte The Sentinel von Arthur C. Clarke. Bei Kubrick darf ein wichtiger Aspekt nicht ausgelassen werden, da er sehr nennenswert ist: er verfilmte auch Romane, die keine Bestseller waren, z.B. Die Traumnovelle und The Short Timers. Die Filme von Kubrick sind, meiner Meinung nach, mehr als gelungen und da er auch mein Lieblingsbuch, nämlich Die Traumnovelle von Arthur Schnitzler verfilmt hat, hat er bei mir sozusagen ein Stein im Brett. Außerdem ist auch noch Shining einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Kubrick´s Filme sind eine Exzellenz und man muss sie einfach gesehen haben. Er lässt sich von der Literatur inspirieren, aber kopiert natürlich nichts. Ein Regisseur muss all seinen Filmen eine eigene Note verleihen und Kubrick schafft mehr als das, wie ich finde. Die Literatur bleibt die Literatur und der Film bleibt der Film. Klar denkt man beim Schauen eines Films auch an das Buch, was auch überwiegt, da die wenigstens beim Film an den jeweiligen Regisseur denken. So habe ich es beispielsweise bei Eyes Wide Shut auch getan. Aber man muss auch sehen, dass durch den Regisseur ein vollkommen neues Werk erschaffen wird, das unabhängig vom Buch sein möchte. Es gibt allerdings Ausnahmen, die auch sehr gravierend sind. Manche Filme sind 1:1 wie das Buch. Ich erlebe es selten solch einen Film zu sehen und kann deswegen auch nicht sagen oder abschätzen, wie viele solche „1:1-Verfilmungen“ es gibt. Ich kann nur sagen, dass man sich dabei etwas traurig oder vielleicht sogar sauer fühlt. Es gibt zahlreiche Menschen, ob nun Kritiker, Literaten oder Bücherliebhaber, die immer wieder betonen, wie sich der Film, das Kino bei der Literatur bedienen. Es wird kritisiert, dass Filme sich nie so gut ausdrücken können, wie es Bücher tun. Wörter würden mehr und besser beschreiben, die Situationen mehr zum Leben erwecken. Letzte Woche erst hörte ich solch eine Aussage wieder mit eigenen Ohren. Ich gebe zu, dass auch ich oft der Meinung bin, dass Wörter mehr ausschöpfen können und ich schrieb auch einmal, dass Bücher das eben ein bisschen besser können. Das heißt aber nicht, dass ich finde, Filme würden dies gar nicht können. Es gibt auch Filme, die besser sind als das Buch. Natürlich sind Bücher magisch und die Sprache im Allgemeinen ist etwas Wunderschönes, aber ich würde nicht wagen zu sagen, dass Filme keine Emotionen auslösen können, nichts ausschöpfen können. Dass Filme nichts Magisches haben, dass Filme nicht in die Tiefe gehen können. Und da bin ich selber ein absoluter Literaturliebhaber und weiß, wie ein Buch wirken kann und wie Wörter herrlich beschreiben können. Dabei sollte man aber eins nie vergessen: es gäbe auch ohne Drehbuchautoren keinen gescheiten Film. Auch sie sind Autoren und gestalten mit Wörtern, beschreiben, damit Emotionen ausgelöst werden können. Wenn es also nicht gerade ein Stummfilm ist, können auch beim Film, Wörter gewaltige Gefühle auslösen. Und denken wir einmal darüber nach, was dies noch tut. Szenen werden überwiegend mit der richtigen Musik betont und ausgeschmückt. Diese kann Melancholie, Traurigkeit, Wut, Freude, Liebe... ausdrücken. Bei einer Serie beispielsweise, achte ich immer auf das Intro. Gefällt mir dies, dann weiß ich meistens schon, dass mir auch die Serie gefallen wird. Hierzu möchte ich ein eher sentimentales Beispiel nennen. Die Telenovela Sturm der Liebe, die seit 2005 im Ersten ausgestrahlt wird, beeindruckt von der ersten Staffel an mit dem Intro. Was dabei zählt? Musik, Bilder, Farben, Menschen, Handlungen! In dem Moment, in der das Lied mit dem Ton nach oben geht und von einer gefühlvollen Stimme begleitet wird, bekommt man eine Gänsehaut. Ein gutes und professionelles Intro macht eine tolle Serie aus. Auch beim Film sind Musik und Gestaltung enorm wichtig. Kann man sich das ohne diese Dinge überhaupt noch vorstellen?

 

 

Drehbücher sind natürlich nicht romanartig aufgebaut. Das geht nun mal nicht. Es sind ja keine „richtigen“ Bücher und deswegen lassen sie sich so auch nicht lesen. Dazu muss man allerdings sagen, dass es durchaus auch Romane gibt, die sich wie ein Drehbuch lesen. Doch was könnten die Gründe dafür sein? Man könnte es damit erklären, dass auch der Film auf die Literatur abgefärbt hat. Nehmen wir folgendes Beispiel: ein Drehbuchautor schreibt einen Roman, der aber aus einem Drehbuch gemacht wurde. Also, der Roman wurde nicht direkt literarisch geschrieben, sondern er war ein richtiges Drehbuch und dieses wurde nur umgeschrieben und in ganze Texte und Abschnitte geändert. Es wurde alles in einem Stil geschrieben, der viel literarischer ist. Der Kern ist natürlich nun, dass der Drehbuchautor sich natürlich (oder es ist zumindest stark anzunehmen) wünscht, dass sein Roman, wie es auch bei seinen Drehbüchern geschieht, verfilmt wird. Wenn der Roman ein Erfolg ist, dürfte das nicht sonderlich zum Problem werden. Das heißt praktisch, dass aus einem Roman, der vorher schon mit Idee, Wort und Satz ein Drehbuch war, wieder ein Drehbuch wird, damit das Buch verfilmt werden kann. Verwirrend, nicht? Doch trotzdem bleibt eine eigentlich recht große Problematik und zwar jene, dass sich das Buch wahrscheinlich wie ein Film (oder besser gesagt, wie das Drehbuch) liest. Das gefällt sicher nicht jedem und schon gar nicht ausgeprägten Literaten. Vielleicht stellt man sich auch oft die Frage, ob ein Buch denn immer verfilmt werden muss oder ob es zu einem Film immer ein Buch geben muss. Immer wenn ich ein Buch lese, zu dem es schon einen Film oder eine Serie gibt, fange ich an zu vergleichen. Es tun sich verschiedene Fragen auf: „Warum ist der/die denn in dem Buch ganz anders beschrieben als der Protagonist im Film wirklich aussieht?“; „Ist die Szene im Film nicht vollkommen anders als hier im Buch?“; „Das hat der/die jetzt aber nicht so gesagt, wie es hier im Buch steht, oder?“. Aber das ist nun mal so und liegt überwiegend auch daran, dass die Bücher zum Film romanartig aufgebaut und nicht wie ein Drehbuch geschrieben sind. In Romanen muss man ja ganz anders beschreiben und ausschöpfen. Wenn es genau umgekehrt ist und das Buch vor dem Film erscheint, mag es vorerst vielleicht noch gehen. Na gut, und wenn man Glück hat, ist der Film natürlich auch gut, aber es gibt ja auch Situationen, da ist dies nicht der Fall. Ich liebe ja Bücher und allgemein die Literatur und wenn ich anfange ein Buch zu lesen (ich merke übrigens von der ersten Seite an, ob mir das Buch gefallen wird oder nicht), bin ich wie magnetisiert und höre gar nicht mehr auf zu lesen. Es macht Spaß, der Fantasie freien Lauf zu lassen. Nach jeder Doppelseite bekommt man ein neues Puzzlestück, um am Ende des Buches ein komplettes Fantasiebild zu haben. Wie mögen die Figuren nur aussehen? Wie mögen die Räume aussehen? Was könnte noch alles passiert sein? Vielleicht identifiziert man sich manchmal mit der Hauptperson oder mit einer Person. Man wird eins mit ihr. Perfekt klappt das bei Ich-Erzählungen, die ich übrigens sehr favorisiere. Ein gutes Beispiel, das ich aus eigener Erfahrung kenne, ist Der Vorleser von Bernhard Schlink. Ich fing an zu lesen und war gleich in die Geschichte vertieft. Ich konnte nicht genug bekommen und blätterte immer weiter und weiter, weil ich unbedingt mehr erfahren wollte. Es formten sich Figuren in meinem Kopf zusammen und ich stellte mir die Räume, Häuser, Gärten und Städte vor. Ich hatte alles vor Augen. Und dann sah ich den Film... Der Film ist nicht schlecht, aber meine Fantasie war dahin. Nie mehr kann ich das Buch mit der selben Vorstellungskraft lesen, wie ich sie mal hatte und ohne an den Film zu denken. Plötzlich ist da eine blonde Kate Winslet, die mich die ganze Zeit an Titanic erinnert und ein Ralph Fiennes, der mich an Schindler´s List oder Harry Potter (ja, ich dachte auch an Voldemort) erinnert. Obwohl ich finde, dass der Protagonist David Kross, der den jungen Michael Berg verkörpert, sehr gut getroffen ist. Trotzdem gab es immer noch genug Punkte, bei denen ich anfing den Film mit dem Buch zu vergleichen. Irgendwann tut sich wieder einmal die Frage auf: Muss denn wirklich alles mit Bildern verdeutlicht werden, sodass wir gar keine Fantasie mehr entwickeln müssen/können? Bei Harry Potter denkt jeder an Daniel, Emma und Rupert und natürlich an den berühmten Speisesaal von Hogwarts. Bei Twilight denken wir an Robert und Kristen und bei Forrest Gump denken wir an Tom Hanks. Das Schlimme dabei ist, dass die fantasiereichen Bücher leider manchmal total untergehen, denn oft gewinnt nur der Film. Es ist ein schmaler Grat, denn schließlich gibt es solche, die wollen Bücher lesen und wollen, dass sie so bleiben, wie sie sind und dann gibt es jene, die nicht lesen wollen und nur den Film sehen wollen. Meistens gibt es dann auch diejenigen, die denken, ein Film ist haargenau wie das Buch. Das hörte ich doch damals in der Schule schon ganz oft: „Ich lese das Buch nicht, sondern schaue den Film. So kann ich doch auch eine Inhaltsangabe schreiben.“ Verhübscht könnte man auch sagen: „Ich lese nicht, ich lasse lesen.“ Doch ich dachte mir schon immer: „So ein Quatsch! Der Film ist doch nicht wie das Buch.“ Als Zuschauer eines Films fragt man sich natürlich auch irgendwann mal, ob denn der Autor des Romans zufrieden mit der Verfilmung ist. Auch hier nehme ich ein Beispiel von Kubrick: Shining. Um es milde auszudrücken, könnte man sagen, dass Stephen King, der Autor des Romans, nicht zufrieden mit der Verfilmung war. Höchstwahrscheinlich wird er es auch nie sein, denn er wettert noch immer dagegen. Und das obwohl doch zahlreiche Kritiker den Film spitzenmäßig finden. Doch am Ende ist der Autor eben der größte Kritiker, denn schließlich geht es um seine Vorstellungskraft. King fände den Film The Shining zwar wunderschön und er sähe fantastisch aus, aber er sei wie ein schöner großer Cadillac ohne Motor in seinem Inneren. Autsch! King sähe sich nämlich selbst auch als Kritiker. And that´s it... Das ist das, was ich schon schrieb. Ich meine, ich liebe diesen Film. Das ist keine Frage! Aber man muss sich auch mal, gerade als Autor/in, in King hineinversetzen. Es ärgert einen, wenn der Film nicht ganz den eigenen Vorstellungen eines Autors entspricht. Schließlich hat dieser doch die Grundsteine gelegt und sich exakt fantasiert, wie denn alles sein und aussehen soll. Aber den Aufwand der Filmemacher darf man auch nicht unterschätzen. Vielleicht sollte man einfach nicht aus allen Filmen Bücher und aus allen Büchern Filme machen. Denn irgendwie müssen doch Literatur und Film die Unabhängigkeit voneinander bewahren...

Autorin: Gianna Maria Frank

Datum: 28.08.2016

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Literatur&Kino

Rebecca - Im Meer bleibt nur der Schatten

Autorin: Gianna Maria Frank

Datum: 04. August 2016

Bei Rebecca sind weder Buch noch Film ganz frisch aus der heutigen Zeit. Der Roman Rebecca von Daphne du Maurier wurde 1938 veröffentlicht und die gleichnamige Verfilmung, bei der Alfred Hitchcock Regie führte, erschien im Jahre 1940. Der Film ist sogar der erste von Hitchcock, der in Hollywood gedreht wurde. Das Buch war schon früher ein Renner und wurde schnell zum Erfolg, weshalb es auch so rasch nach der Veröffentlichung verfilmt wurde. Rebecca ist kein billiger und stilloser Roman, der von endlosen Schmalz-Szenarien geprägt ist. Wir haben es hier mit einem äußerst stilvollen und spannenden Roman zu tun, der ebenfalls Elemente eines Krimis und der Gothic Novel (Schauerliteratur) in sich trägt. Als ich die Verfilmung zum ersten Mal auf Arte sah, war ich positiv überrascht. Da ich schon damals wie heute ein Fan von alten Filmen und Büchern bin, war ich froh vor einigen Jahren diesen Film zufällig entdeckt zu haben. Ein Schwarzweißfilm (die ich im Übrigen sehr gerne mag), mit Eleganz und Protagonisten, die dem ganz entsprechen. Eine schüchterne Gesellschafterin (Joan Fontaine), die weder in Buch noch Film namentlich genannt wird (wie es z.B. auch bei Drive mit dem Protagonist war; http://www.oohcharlottecouture.com/2016/07/28/drive-mit-vollmanöver-in-eine-andere-welt/ ) ist gerade mit ihrer stumpfsinnigen und voll von sich überzeugten Arbeitgeberin Edythe Van Hopper (Florence Bates) in einem Hotel in Monte Carlo zu Gast. Dort treffen sie den wohlhabenden Maxim de Winter (Laurence Olivier), dem das riesige Anwesen Manderley in Cornwall gehört. Ein Jahr zuvor hatte er seine Frau Rebecca verloren, die angeblich beim Segeln umgekommen ist. Mrs. Van Hopper ist der Überzeugung, Maxim in und auswendig zu kennen und möchte mit ihm „nun vollauf zusammen sein“, während sie in Monte Carlo sind. Dass Maxim sie in Wahrheit gar nicht leiden kann und ihr mit sarkastischen und zynischen Bemerkungen daherkommt, scheint ihr durch ihren Stumpfsinn und ihr übermäßig aufbrausendes Selbstbewusstsein nicht ganz klar. Wenn sie so etwas Derartiges bemerkt, macht sie ihre junge Gesellschafterin dafür verantwortlich, da sie sich doch nicht in die Unterhaltungen mischen solle. Doch meistens ist es die junge Frau selber, die für Mrs. Van Hopper und ihr Gerede eine Art Fremdscham besitzt. Dies kann man auch in den entsprechenden Szenen im Film und am gesagten Wort im Buch (es handelt sich ja um einen Roman, der aus der Ich-Perspektive erzählt wird) deutlich erkennen. Doch Maxim und die hübsche Frau verlieben sich ineinander und verbringen fortan jegliche Zeit miteinander. Zart aneinander geschmiegt, sie im weißen bodenlangen Kleid (fast schon ein Hauch von Tüll), schweben sie tanzend über´s Parkett. Sie verliert sich ganz in seinen Armen und schließt vor lauter Genuss die Augen. Er merkt es und lächelt sie verliebt an. Etwas verschämt öffnet sie die Augen und lacht. Sie gehen zusammen zeichnen, er nimmt sie überall in seinem Auto mit; durch ganz Monte. Es ist bezaubernd! Eines Morgens erfährt die junge Gesellschafterin kurzfristig von Mrs. Van Hopper, dass der Tag der Abreise gekommen ist. Verzweifelt möchte sie unbedingt noch ihren Maxim erreichen, um sich von ihm zu verabschieden. Trotz, dass ihr Mrs. Van Hopper mit der schnellen Abreise im Nacken sitzt, da sie sonst den Zug versäumen würden, läuft die junge Frau durch das ganze Hotel. Schließlich geht sie in Maxim´s Zimmer und trifft ihn dort auch an. Völlig überraschend macht er seiner Angebeteten einen Heiratsantrag und möchte mit ihr auch zurück nach Manderley. Trotz dem unverschämten und schlecht machenden Reden von Mrs. Van Hopper gegenüber ihrer nun ehemaligen Gesellschafterin, Maxim würde sie nicht lieben, ist das Paar sehr glücklich und heiratet kurzfristig und ohne Schnick Schnack. Nach den Flitterwochen macht sich das frisch vermählte Paar auf den Weg nach Manderley. Der frisch verheirateten Braut ist sehr mulmig zumute und als die beiden das Anwesen betreten, kommt ihr alles sehr düster vor. Nicht zuletzt wegen dem grauen regnerischen Tage und der Volksversammlung des gesamten Personals (die Versammlung passt Maxim ganz und gar nicht: „Was is´n das für ´ne Volksversammlung hier?“, fragte er in einem sehr modernen Stil), die die Haushälterin Mrs. Danvers (Judith Anderson) einberufen hat. Die neue Mrs. de Winter fürchtet sich von Anfang an etwas vor der in Schwarz gekleideten Haushälterin und zittert anfangs in ihrer Gegenwart. Dazu merkt sie schnell, dass Mrs. Danvers die alte Mrs. de Winter, also Rebecca, abgöttisch verehrte und macht nun der neuen Mrs. de Winter durch viele unverschämte Handlungen klar, dass sie nie den Platz der hübschen Rebecca einnehmen könne und sie nie so schön, intelligent, begabt und geliebt sein könne, wie sie. Es wird der jungen Frau also von Anfang an schwer gemacht. Obwohl sie sich aber mit den anderen im Haus sehr gut zu verstehen scheint und gleich an ihrem zweiten Tag Maxim´s besten Freund Frank Crawley (Reginald Denny) und auch Maxim´s Schwester Beatrice (Gladys Cooper) und deren Mann Major Giles Lacy (Nigel Bruce) kennenlernt und sie sich mit diesen sehr gut versteht und sie sehr lieb zu ihr sind. Trotzdem steht ihr die Schüchternheit noch im Wege. Außerdem lassen sie auch die Zweifel nicht los, denn auch gegenüber Maxim fühlt sich die junge Frau immer mit Rebecca verglichen und glaubt, dass er sie immer noch liebt und er den Tod einfach nicht verkraften kann. Sie kann es nicht lassen und möchte mehr über Rebeccaerfahren. Während sie Frank Crawley beim Frankieren der Briefe hilft, fragt sie ihn über die Umstände des Todes von der alten Mrs. de Winter aus. Sonst möchte nämlich eigentlich niemand in ganz Manderley darüber sprechen. Crawley erzählt ihr, dass Rebecca mit ihrem Segelboot auf dem Meer unterwegs war und nicht wieder zurückgekehrt sei. Nach dem Verschwinden Rebecca´s wurde in Edgecombe unter Wasser eine Leiche gefunden, die als Rebecca identifiziert wurde. Und dann möchte Maxim´s hübsche Frau noch wissen, wie ihre „Vorgängerin“ so war. Sie sei unbeschreiblich schön gewesen! Nachdem Mrs. Danvers der neuen Mrs. de Winter auf fatale und bedrängende Weise (auch noch in Rebecca´s altem Zimmer) erneut klar gemacht hat, wie toll Rebecca war und wie Maxim´s Frau der „unbeschreiblich schönen“ Rebecca nie das Wasser reichen könne, beschließt die junge Frau daraus Konsequenzen zu ziehen. Sie weist an, dass mit sofortiger Wirkung alle Sachen von Rebecca entfernt werden. Als Maxim aus London zurück kommt (er war kurzfristig dahin gefahren, da es am Abend vorher eine traurige Diskussion über´s Glücklichsein zwischen ihm und seiner Frau gegeben hatte), schließen sich die beiden wieder glücklich und voller Sehnsucht in die Arme. Außerdem schlägt sie ihm vor, wieder einen Maskenball zu veranstalten, damit die anderen merken, dass sich auch mit der neuen Herrin vonManderley nichts geändert hat. Nach einem kurzzeitigen Zweifel stimmt Maxim zu und ist gespannt darauf, welchen Kostüm seine Frau wählen wird. Dies soll nämlich eine Überraschung werden. Mrs. Danvers bringt sie auf die Idee sich das Kleid von „Lady Caroline“, eine von Maxim´s Vorfahren, deren Porträt in der Galerie hängt, machen zu lassen. Als sie das Kleid trägt und während dem Maskenball damit die Treppe nach unten schreitet, sind alle schockiert. Maxim wird sogar sehr wütend und befiehlt seiner Frau brüsk, sich sofort umzukleiden. Rebecca trug zum letzten Maskenball genau das gleiche Kleid! Entsetzt und wütend, aber auch verzweifelt, sucht Mrs. de Winter die Haushälterin auf. Sie stellt Mrs. Danvers zur Rede und diese will sie schließlich dazu bringen, sich aus dem Fenster von Rebecca´s Zimmer zu stürzen, da sie sich eh niemals mit Rebeccamessen könne. Maxim´s Frau weint unter dem Druck von Mrs. Danvers ganz schrecklich und man hat das Gefühl, dass sie sich gleich wirklich hinausstürzt. Doch plötzlich bricht Trubel auf dem Grundstück auf. Die Nachricht über ein Schiff in Seenot in der Bucht von Manderley gerät in Umlauf und rettet der jungen Frau schließlich das Leben. Im Schiff wird schließlich die echte Leiche von Rebecca gefunden. Schließlich treffen sich Maxim und seine Frau unten im Bootshaus. Er wirkt sehr bedrückt und aufgelöst. Seine Frau denkt natürlich, dass er so aufgewühlt ist, weil ihn nun der Tod seiner Rebecca wieder so mitnimmt. Doch die Wahrheit ist eine ganz andere. Im Gespräch erzählt Maxim seiner Frau, dass er Rebeccanie liebte. Nein, gehasst hat er sie! Obwohl sie alle Menschen in ihren Bann zog und sie mit ihrer Schönheit und Intelligenz begeisterte, war sie in Wahrheit grausam und gefühllos. Nach der Hochzeit erst habe er gemerkt, was für eine schreckliche und verdorbene Person sie sei. Die beiden gingen eine Abmachung ein: Rebecca sollte aus Manderley eine Sehenswürdigkeit machen und die perfekte Haus- und Ehefrau geben, während Maxim sich nicht ihre Liebeleien einmische, solange sie es aber diskret halte. Rebecca sei oft nach London gereist, um sich ihren Lasten hinzugeben und hatte unter anderem eine Affäre mit Jack Favell (George Sanders), den Maxim´s neue Frau auf eine diskutable Weise kennenlernte, als ihr Mann doch in London war. Und irgendwann brachte Rebecca ihre Liebhaber auch mit nach Manderley ins Bootshaus. Schließlich fängt Maxim an zu erzählen, wie Rebecca wirklich gestorben ist. Eines Abends folgte Maxim ihr zum Bootshaus und stellte sie zur Rede. Rebecca wurde frech und aufsässig und deutete an, dass sie von einem anderen Mann schwanger sei. Maxim verlor die Nerven und schlug Rebecca. Mit einem hämischen Lachen ging sie rückwärts und fiel ungünstig auf einen Anker, sodass sie sofort reglos am Boden lag. Aus lauter Verzweiflung brachte Maxim den Leichnam seiner Frau ins Boot, bohrte Löcher hinein und brachte es zum Sinken. Maxim glaubt seine Frau verloren zu haben, nachdem er ihr alles über die Geschichte Rebecca´s erzählt hat und ihr seine Verwicklung darin deutlich gemacht hat. „Und nun schau´ mir in die Augen und sag´ mir, dass du mich noch liebst!“ Sie hält sehr lange inne, weshalb Maxim schon glaubt, dass seine Aufforderung im negativen Sinne beantwortet sei. Doch das, was sie fühlt, ist eine riesige Erleichterung. Endlich wird ihr klar, dass Maxim sie nie mit der von allen verehrten Rebecca verglichen hat, sondern dass er einfach nur durch schwere Gedanken geprägt war. Nachdem die richtige Leiche Rebecca´s also gefunden worden ist, werden natürlich auch neue Ermittlungen aufgenommen und die ganze Geschichte wird wieder aufgerollt. Eigentlich gehen alle davon aus, dass es Selbstmord gewesen sei, doch Jack Favell bezichtigt Maxim des Mordes an Rebecca. Und dann versucht er auch noch ihn zu erpressen. Bei den Befragungen aller einzelnen Personen, die mit Rebecca zu tun hatten, verliert Maxim die Nerven. Er ist so hibbelig und plötzlich kippt auch noch seine Frau um. Alle sind höchst besorgt, doch es geht ihr schnell wieder besser und eine Stunde später kann die Vernehmung fortgesetzt werden. Später stellt sich auch heraus, dass Rebecca wenige Tage vor ihrem Tod in London einen Arzt besucht hat. Dieser diagnostizierte Krebs im Endstadium und hätte bald sterben müssen. Außerdem stellt sich heraus, dass sie keine Kinder bekommen konnte. Dadurch wird die Theorie des Selbstmordes vom Gericht bestätigt und die Ermittlungen werden eingestellt. Jetzt könnte eigentlich alles gut sein, doch dann fackelt Mrs. Danvers in der Nacht der Verhandlung Manderley an. Zum Glück konnte sich Mrs. de Winter mit Hund Jasper noch retten. Mrs. Danvers steht wahnsinnig geworden und mit rollenden Augen im Schloss und blickt auf ihr „Meisterwerk“. Außerdem kommt sie während des Brandes im nun heruntergekommenen Manderley um. Im symbolischen Sinne brennt zum Schluss ein Kissen Rebecca´s mit dem großen R nieder, womit sie und ihr Schatten besiegt sind. Im Buch allerdings gibt es beim Ende einen Unterschied. Statt nur mit Frank kommt Maxim auch mit seiner Frau von der Verhandlung zurück. Die beiden wollen nun ein neues Leben auf Manderley beginnen. Sie hatten von Frank erfahren, dass Mrs. Danvers verschwunden sei. Wegen einer bösen Vorahnung brechen die drei sofort nach Hause auf. Kurz bevor sie ankommen, sehen sie, dass sich der Himmel rot gefärbt hat. Zu erst denkt die Erzählerin es sei nur Morgenröte, bis schließlich alle drei erkennen, dass Manderley lichterloh in Flammen steht.

 

 

 

Im Buch erfahren wir gleich am Anfang, welches Leben die Protagonisten, also die Eheleute de Winter, nach der Zerstörung Manderley´s führen. Nämlich leben sie in einem Hotel im südlichen Land. Die Ich-Erzählerin schildert, was die beiden dort den ganzen Tag tun und wie sie mit ihren Gefühlen umgehen, die sie nach der komischen Zeit in Cornwall hatten. Der Wahnsinn von Mrs. Danvers wird in Buch und Film exzellent ´rübergebracht. Im Film kommt sie um, doch im Buch trifft die Erzählerin eine Aussage, die dem wunderlich gegenübersteht. Nämlich sagt sie, dass sie sich frage, was Mrs. Danvers nun tut – sie und Favell. Im Film ist es eigentlich unmöglich dargestellt, dass sie noch leben könnte. Sie rettet sich ja nicht aus dem Schloss, sondern steht mit einem wahnsinnigen Blick nur da, was ja bei diesen lodernden Flammen ein Todesurteil ist.

 

 

 

Rebecca ist ein Meisterwerk, das auch sehr gut ins überwiegende Schema der anderen Filme Hitchcocks´s passt. Seine Filme tragen immer eine gewisse Mystik in sich, die sich verdammt gut mit einer Romanze oder mit einer märchenhaften Atmosphäre verträgt. Und er schaffte es immer, dass sich keine schmalzige oder gar geschmacklose Schnulze daraus entwickelte, sondern ein Klassiker. Die Filmkritiken für Rebecca (auch wenn leider nicht mehr viele aufzutreiben sind) sind für Hitchcock sehr positiv ausgefallen. Schade nur, dass er viele Kritiken wegen seines Todes im Jahre 1980 gar nicht mehr lesen konnte. Denn die Kritiken reichen bis in die 90er Jahre hinein. Dieser Film ist eben, wie aber auch das Buch, solch ein Klassiker, das man kaum drum herum kommt zumindest irgendwann mal davon zu hören. Immerhin war der Film für unzählige Oscars nominiert und bekam auch zwei Stück. Rebecca ist ein sehr anspruchsvoller Film. Damit meine ich nicht, dass es anstrengend ist ihn zu schauen, denn so ist es nicht. Aber der Hintergrund, der natürlich auch von psychologischer Natur ist, muss erst einmal ausreichend erforscht oder verstanden werden. Auf den ersten Blick fällt das vielleicht nicht gleich auf, aber je mehr man sich damit auseinandersetzt und darüber nachdenkt, desto mehr entdeckt man, was ausgedrückt werden soll. Wir alle haben eine Vergangenheit. In unserer aller Leben gab es schöne und nicht so schöne Momente. Haben wir nicht auch manchmal den Wunsch, wie ihn Maxim´s zweite Frau Mrs. de Winter hatte, besondere Momente wie einen Duft in verschiedenen Flaschen aufzubewahren. Und wenn man diese öffne, erlebe man den jeweiligen Moment noch einmal. Maxim findet diesen Gedanken anfangs sehr süß, was man an seinem Lächeln erkennen kann, doch plötzlich überfällt ihn wieder seine Vergangenheit. „Manchmal sind aber auch Dämonen in den kleinen Parfümflaschen. Sie überfallen einen immer dann, wenn man hofft, dass man sie vergessen hat.“ Man könnte also meinen, dass ihn selbst bei so schönen Momenten, wie bei dieser Autofahrt mit seinem Liebchen, die Vergangenheit einholt. Der Schatten seiner toten Frau und die Schuld, die er sich immer wieder vorwirft, sind riesig und können alles überwiegen, alles Gute aufheben. In einer neuen Ehe, in der beide aber eigentlich wirklich eine ehrliche und innige Liebe füreinander empfinden, ist solch ein Schatten natürlich eine echte Problematik. Was könnte also zwischen den beiden und auch zu Gunsten Maxims´s wirklich wieder zum Positiva führen? Die Wahrheit! Ehrlichkeit! Würde Maxim über seinen Schatten springen (welch schönes Wortspiel an dieser Stelle) und seiner Frau alles sagen, würde sie sich nicht gar so viele Gedanken machen und dem Frieden würde nicht ganz so viel im Wege stehen. Schließlich fühlte sie sich immer mit Rebeccaverglichen und dachte, Maxim würde über den Tod nicht hinwegkommen. Zum Glück ist zwischen den beiden am Ende alles wieder gut. Wobei man im Buch das Gefühl nicht los wird, dass manchmal trotzdem noch immer ein gewisser Funken in der Luft liegt, der zwischen den beiden nicht hingehört. Jener, der die Atmosphäre deutlich stört. Natürlich hatte Maxim Angst. Angst davor verhaftet zu werden, dass ihm niemand glaubt, dass es tatsächlich ein Unfall war, aber auch vor seinen Dämonen, Träumen und Gefühlen. Vielleicht hatte er Angst zu lieben und zu vertrauen, aber bei seiner neuen Frau konnte er das wieder. Er konnte die Dämonen auch mal vergessen. Vielleicht, oder mit geraumer Sicherheit, war es die Angst sie zu verlieren, warum er ihr nicht die Wahrheit gesagt hat. Versetzen wir uns in ihn hinein, merken wir doch, dass es viel leichter ist Moral zu predigen als wirklich die Kraft zu haben seiner Liebe die Wahrheit zu sagen. Ist es nicht schon schwer genug ihr jene zu gestehen? Eben! Ehrlichkeit bereinigt uns, sie macht uns frei. Es kostet Überwindung, aber am Ende kommt die Wahrheit meistens sowieso ´raus, also warum lügen oder schweigen. Über das Happy End im Film kann man also glücklich sein, denn das negativ Geschehene wird nun mit dem neuen Leben wieder wett gemacht.

 

 

 

Rebecca ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Eine tolle Atmosphäre und genau richtig eingesetzte Protagonisten prägen ihn. Eleganz kombiniert mit Prunk und Schönheit, aber auch Liebe und Poesie. Und was mich ganz besonders in dieser Kombination erfreut, ist die Mystik. Trotz der Anmut und auch all dem Schönen, können einem die Handlungen einen eisigen Schauer über den Rücken jagen. Joan Fontaine und Laurence Olivier spielen ein gutaussehendes und sich liebendes Pärchen, bei dem sie eine kindliche und schüchterne Rolle hat. Außerdem macht die Figur eine Entwicklung durch. Anfangs ist sie ja noch richtig schüchtern, gehemmt und unsicher, aber am Ende ist sie doch, natürlich von den Geschehnissen geprägt, erwachsen geworden. Auch, wenn Maxim das nicht unbedingt wollte. Im Buch stand ein Satz von Maxim, der mich sehr erschüttert hat. „Kau´ nicht immer an den Nägeln! Bist eh schon hässlich genug.“, sagte er zu seiner jungen Frau. Ich sah den Film ja, bevor ich das Buch las. Und wer Joan Fontaine schon mal gesehen hat, weiß, dass diese bezaubernde Frau nicht hässlich ist. Klar, das Buch wurde vor dem Film geschrieben, aber ich hätte mir die Protagonistin so oder so nicht hässlich vorgestellt und auch nicht gedacht, dass Maxim so etwas Derartiges sagt. Angeblich soll Joan Fontaine die Schüchternheit nicht nur gespielt haben, sondern auch im echten Leben am Set gelebt haben. Der Grund dafür sei gewesen, dass alle, außer Hitchcock, sie nicht sonderlich leiden konnten. Sehr traurig, wenn man bedenkt, welch schönes Paar Fontaine und Olivier auf der Leinwand sind.

 

 

Das Leben ist nur ein wandelndes Schattenbild.“

 

-William Shakespeare

 


Rebecca - Im Meer bleibt nur der Schatten

Autorin: Gianna Maria Frank

Datum: 04. August 2016

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Kino

Drive - Mit Vollmanöver in eine andere Welt

Autorin: Gianna Maria Frank

Datum: 28.07.2016

 

An was denkt man, wenn man Drive hört? An einen heißen Kerl, in Hollywood als Hottie bezeichnet, der fährt und fährt und fährt als gäbe es kein Morgen? An ein Videospiel, in dem der Gamer mit einer fiktiven Person und deren Fahrzeug, Missionen absolvieren muss und die dabei nicht selten außer Gefecht gesetzt wird? Oder etwa an eine unscheinbare Person, die gerne andere zu bestimmten Orten chauffiert? Nun, es ist wirklich eine Mischung aus all dem. Der gutaussehende Driver, der von Ryan Gosling gespielt wird, ist eher ein ruhiger und schweigsamer Typ. Wenn er in seinem Auto, einem 1973er Chevrolet Chevelle herumfährt, kommt es einem so vor als gäbe es nur das für ihn. Als wäre er von der Welt abgekapselt, hypnotisiert. Die Töne des Motors, das Brumm Brumm, der Sound sind ihm genug. Er scheint sich für Frauen und Geld nicht zu interessieren und dann vielleicht nur, wenn er in etwas investieren muss, das mit seinem Goldstück (dem Auto) zu tun hat. Selbst beruflich setzt er sein Können ein. Tagsüber arbeitet der junge Mann als Stuntfahrer im Filmbereich (wobei er auch immer wieder in der Werkstatt, in der ihm diese Jobs vermittelt werden, arbeitet und schraubt) und nachts ist er als Fluchtfahrer unterwegs. Ein risikoreiches Leben also, das ihn aber voll und ganz zu erfüllen scheint. Nichts kann ihm etwas anhaben oder das Wasser reichen. Ob es sich nun um einen Zusammenstoß, ein Manöver oder eine Überschlagung handelt. Er hat alles unter Kontrolle. Er kennt keine Angst und weiß, dass er nicht gegen die anderen verlieren kann. Wenn ihm jemand hinterherjagt ist er der Gewinner, denn er manövriert sich dahin, wo es kein andrer hinschafft. Und so gerät er auch in eine, für ihn, ganz neue Welt. Nämlich in die einer Frau, einer kleinen Familie. Eines Tages lernt er seine unmittelbare Nachbarin Irene (Carey Mulligan) und ihren kleinen Sohn Benicio (Kaden Leos) kennen. Und so verändert sich sein Leben rasant. Die verletzliche Irene und der Driver freunden sich langsam an und es entwickelt sich eine zarte, rein platonische Liebesgeschichte (was auch mal schön ist, da es inzwischen Filme gibt, wo nur der Sex, manchmal in untragbarem Ausmaß, im Vordergrund steht; ich erinnere nur an Shame) zwischen den beiden. Er fährt mit ihr zusammen, manchmal treffen sich währenddessen die Hände und halten sich gegenseitig. Das ist eine der schönsten Szenen. Und wenn die beiden sich dann noch endlos anlächeln, lächelt man irgendwie automatisch mit. Nachdem er Irene zur Arbeit gefahren hat (sie arbeitet als Kellnerin), passt er auf ihren Sohn auf und kümmert sich um ihn. Abends trägt er Benicio ins Bett, wenn dieser schon, mit Driver´s Jacke umwickelt, eingeschlafen ist. Es ist bezaubernd und man stelle sich doch mal vor, was sich daraus noch hätte entwickeln können. Doch so wundervoll bleibt es nicht. Plötzlich taucht Irene´s Ehemann Standard (Oscar Isaac) auf, der aufgrund guter Führung aus dem Gefängnis entlassen wurde. Zwischen Driver und Standard ist eine gewisse Spannung zu spüren. Er ist gegenüber Driver sehr zynisch und vermutet wahrscheinlich eine innige Bindung zwischen dem hübschen Mann und Irene, nennt ihn gegenüber Benicio auch mal „Mommy´s Freund“, wofür Irene aber ein Lächeln (fast schon voller Geständnisse) gegenüber Driver übrig hat. Doch eines Tages entdeckt er, wie Standard blutend in der Tiefgarage des Hauses liegt und merkt schnell, dass diese Verletzungen von krimineller Herkunft sind. Standard hat noch so einige Rechnungen in der kriminellen Welt offen. Er schuldet einem Gangster namens Cook (James Biberi) Geld, weswegen dieser droht, sich als nächstes Irene und Benicio vorzunehmen, wenn Standard sich weigert einen Raub in einem Pfandhaus durchzuführen. Als Driver davon hört, will er Irene und ihren Sohn sofort beschützen und hilft Standard, indem er ihm bei dem Raub zur Seite steht. Außerdem besteht Cook darauf, dass eine rothaarige Frau namens Blanche (Christina Hendricks) bei dem Raub behilflich ist. Driver hat Vorsätze für sich gestellt, die bei ihm als Fluchtfahrer immer gelten: er arbeite nie mehrmals mit den selben Personen zusammen, helfe nicht beim Raub, sei nur der Fahrer und wenn die Räuber nach fünf Minuten nicht zurück seien, gelte die Aktion für ihn für beendet und er würde den Tatort dann auch verlassen. Er bindet seine schicke Armbanduhr an ein Stück vom Lenkrad und schaltet die Stoppuhr ein. In dem Moment springt Standard aus dem von Driver geklauten Sportauto, Blanche steht bereits am Pfandhaus, und der Fahrer wartet. Ob er dies geduldig oder ungeduldig tut, kann nicht genau gesagt werden. Er strahlt zwar eine gewisse Ruhe und Kontrolle aus und bewahrt ja eigentlich auch immer einen kühlen Kopf, aber das Klopfen mit seinem Finger auf den Beifahrersitz zeugt doch von einer gewissen Nervosität. Und die hat man auch, wenn man da nur hinschaut. Alles scheint gut zu verlaufen. Vorerst! Denn plötzlich taucht eine Limousine auf dem Parkplatz auf. Doch Driver bleibt ruhig und plötzlich schafft es zumindest Blanche mit einer schwarzen Sporttasche voller Geld ins Auto. Standard kommt erst verzögert aus dem Haus, doch plötzlich fallen Schüsse und er liegt tot zu Boden. Schnell wirft Driver den Motor an und fährt mit Blanche davon. Wie zu erwarten war, werden sie von der Limousine verfolgt und wieder manövriert Driver sein Fahrzeug in einer absoluten Konzentration und Kontrolle. Auch das panische Gekreische von Blanche stört ihn nicht und er fährt weiter, bis er die Limousine ins Aus katapultiert hat. Die beiden verstecken sich schließlich in einem Motelzimmer. Driver wird sauer, als er merkt, dass Blanche deutlich mehr weiß als sie selber gesagt hat. Unter Druck und Gewaltandrohung erzählt sie ihm schließlich die Wahrheit. Cook erzählte ihr nämlich vor dem Raub, dass es einen zweiten Wagen gibt, der Driver, Blanche und Standard aufhalten werde. Allerdings habe Cook nichts von einer Tötung gesagt, aber dass Blanche und Cook die beiden abzocken wollten, stellt sich ebenfalls heraus. Driver will schließlich zu ihm und Blanche soll ihn hinbringen. Doch auch dazu kommt es vorerst nicht. Zwei bewaffnete Männer schießen von außen ins Zimmer. Blanche wird mit Kopfschuss getötet, Driver wird am Arm verletzt, schafft es aber die beiden Männer zu überwältigen und zu töten. Mit blutbeschmiertem Körper verschwindet er langsam hinter einer Wand als hätte er Rollen an den Füßen. Irene hat inzwischen von der Polizei erfahren, dass ihr Mann tot ist und ist sehr schockiert. Noch weiß sie nicht, in was Standard da involviert war. Driver hat es geschafft, Cook in dessen Stripclub zu finden und droht ihm damit, ihn in null komma nix zu töten. Er erfährt, dass Cook für Nino, Besitzer einer Pizzeria und Geschäftspartner von Bernie Rose, arbeitet, den Driver bereits aus der Werkstatt kennt. Nino hatte erfahren, dass die Ostküstenmafia Geld im Pfandhaus deponiert hatte, das Nino Cook stehlen ließ. Als der Driver wieder zu Hause ist, geht er zu Irene und erzählt ihr die ganze Wahrheit über den Raub und den Tod ihres Mannes. Entsetzt ohrfeigt sie ihn, aber scheint es gleich eine Sekunde später wieder zu bereuen und beruhigt sich. Gemeinsam steigen sie in den Fahrstuhl, wo sie allerdings nicht allein sind. Ein Mann steht ebenfalls darin, bei dem Driver eine Waffe in der Jacke versteckt sieht. Schnell wird ihm klar, dass es sich um einen von Nino´s Killern handelt. Driver schiebt Irene hinter sich und dreht sich schließlich zu ihr um, um sie leidenschaftlich zu küssen. Ein atemberaubender Kuss! Doch als er von ihr ablässt, schlägt er auf den Killer ein, sodass dieser in der Ecke liegt und zertritt ihm den Kopf. Irene ist vollkommen perplex und schockiert. Sie kann es nicht fassen. Hat sich der vollkommen liebe und gerade so leidenschaftliche Mann plötzlich in eine enthemmte Maschine umgewandelt? Langsam verlässt Irene den Fahrstuhl und schaut den Driver entsetzt und schon fast unter Tränen an. Auch er schaut sie noch leidend und mit einem hilflosen Blick an, bis sich die Türen des Fahrstuhls schließen. Inzwischen hat auch Bernie Rose von Nino´s Coup Wind bekommen und die beiden beschließen alle zu töten, die von dem Überfall wissen. Außerdem wollen sie das Geld von Driver zurückholen. Zuerst tötet Bernie Rose Cook und kurz darauf auch Shannon. Nun ist nur noch einer im Spiel: Driver. Dieser tötet Nino, indem er dessen Limousine rammt und die Steilküste hinabstürzen lässt. Nino befreit sich zwar aus dem Wagen und flüchtet zum Strand, aber dort wird er von Driver im Pazifik ertränkt. Dieser ruft anschließend nochmal Irene an, um ihr zu sagen, dass er nicht in Los Angeles bleiben würde und dass die Zeit mit ihr und Benicio die schönste war, die er jemals hatte. Es sei das Schönste in seinem Leben gewesen. Zum Schluss vereinbart er noch einen Termin mit Bernie Rose. Es soll ein Tausch stattfinden: wenn Driver Bernie das Geld überlässt, garantiert er Sicherheit für Irene und Benicio. Auf einem Parkplatz will Bernie Driver erstechen, wobei Bernie aber selbst schwer verletzt wird und stirbt. Driver hat eine schmerzhafte Bauchwunde, aber fährt tapfer weiter als hätte er nichts. Sein Herzschmerz ist höchstwahrscheinlich noch größer. Wer nun denkt, dass Driver das Geld mit sich genommen hat, liegt falsch. Die Sporttasche voller Cash liegt neben dem toten Bernie. Ein echter Liebesbeweis gegenüber Irene und Beweis, dass ihm das Geld von Anfang an nicht wichtig war, sondern nur die Sicherheit Irene´s und Benicio´s. Nur leider bekommen die beiden davon nichts mehr mit. Irene klopft an seiner Tür, in der Hoffnung, dass Driver doch wieder aufgetaucht ist. Traurig und enttäuscht geht sie zurück in ihr Apartment. Driver fährt weiter und zwar weg, weit weg von all dem, was passiert ist. Man kann sich noch so sehr wünschen, dass die Liebesgeschichte weitergeht, aber dem ist leider nicht so. Der Driver ist wieder allein mit seinem Auto, verlässt LA und bricht zu neuen Ufern auf.

 

Drive ist ein Film, der einen ziemlich lange beschäftigen kann. Man fragt sich „Was wäre wenn...?“, „Was hätte noch alles passieren können?“ oder „Musste es denn wirklich sein, dass diese Liebesgeschichte zwischen Irene und Driver so schnell endet?“ Aber wahrscheinlich hätte das dann nicht mehr ins Schema gepasst. Drive ist ein Action-Thriller und keine Schnulze. Der Protagonist möchte nicht als Retter von Weib und Kind angesehen werden. Das einzige, was ihm wichtig ist, ist die Sicherheit der beiden. Er hat ihnen nicht geholfen, weil er seinen Stolz puschen wollte und schon gar nicht des Geldes wegen. Auch wenn er sie liebt, scheint die Beziehung mit ihr am Ende keine Option mehr zu sein. Sein Auto ist ihm nun wieder vollauf genug. Diese Motive kann man auch bei so manch anderen Männern erkennen. Da muss es aber nicht unbedingt ein Auto sein. Auch eine Spielkonsole kann solch eine Wirkung haben. „Ich brauche keine Freundin, ich habe meine Playstation.“, heißt es bei manchen jungen Männern. Was aber auch nicht unbedingt schlimm sein muss. Drive kommt mir ebenfalls so vor als wäre es eine Art Videospiel. Der Film erinnert mich ganz stark an Grand Theft Auto. Missionen, die man absolvieren muss, Fluchten vor der Polizei, Manöver, Stripclubs, Gangster und Verstecke. Die Straßen, die verschachtelten Wege, die Brücke über die der Driver ständig fährt, die Apartments und die Lichter erinnern zum Beispiel sehr an Grand Theft Auto: San Andreas. Das höchstwahrscheinlich deshalb, weil LA (im Spiel Los Santos) die Vorlage für das Spiel war, das ja Jahre vor Drive herauskam. Selbst die Pizzeria von Nino erinnert von Lage und Aussehen her stark an die, die es auch bei San Andreas gibt. Dass mir Drive so gut gefällt, könnte also auch irgendwie daran liegen, dass ich damals so gerne GTA gespielt habe. Aber am besten gefällt mir am Film Ryan Gosling, der den unterkühlten Driver verkörpert. Diese Rolle ist fast schon perfekt auf den gutaussehenden und charismatischen jungen Mann zugeschnitten. Und die Zärtlichkeiten zwischen Irene und dem Driver gefallen mir auch sehr gut. Wie sie während des Fahrens ihre Hände hielten, der atemberaubende Kuss im Fahrstuhl, sich minutenlang anblickende und lächelnde Gesichter. Außerdem finde ich es mehr als rührend, wie sich Driver um den kleinen Benicio kümmert. Irene zerstört nicht Driver´s Welt, indem sie irgendeine seit Jahren festgefahrene Routine in seinem Leben bricht. In Wahrheit ist er doch sicher irgendwie froh, dass seine Welt etwas aus den Fugen gerät und findet doch, dass die Zeit mit ihr und dem Kind jene schönste war, die er je erlebte. Er selbst gibt dies ja auch zu und als er am Ende wieder allein mit seinem Auto unterwegs ist, wirkt er traurig, dass er diese Frau aufgeben muss. Die Problematik dabei ist, dass er durch diese Frau aus einer schweigsamen und schwierigen Krise herausgekommen ist, in die er aber, nachdem er Irene aufgegeben hat, wieder hineingeraten ist. Da stellt sich ebenfalls die Frage, ob dies eine andere Frau bei ihm erreichen könnte und ob es eine geben wird, in die er sich überhaupt nochmal so verlieben wird. Die Filmkritiken für Drive sind überwiegend gut ausgefallen. So hörte man zum Beispiel vom Empire Magazine, dass es der beste Film des Jahres 2011 sei. Zu recht! Drive zeugt nicht von Oberflächlichkeit. Er überzeugt mit Philosophie, Intensität und Stil, Coolness und sogar mit poetischen Zügen. Es gibt keine gefakten Stunts oder ständig zu Schrott gefahrene Luxus-Karren. Drive ist authentisch und nicht übertrieben, wie bei manch anderen Action-Thrillern. Regisseur Nicolas Winding Refn hielt sein Werk Drive in einem Retro-Look, welcher an die achtziger Jahre erinnert. Und dazu passt auch die Gesamtumgebung. Verdammt viele Szenen wurden nachts oder abends gedreht, weshalb die Dunkelheit und die bunten Straßenlichter von Los Angeles dem Ganzen einen besonderen Touch geben. Es ist mystisch, cool und einfach spitze, wenn der Driver mit seinem Auto (das ja ebenfalls sehr retro ist) durch die Nacht fährt. Es hat etwas ganz Besonderes, wenn er einfach nur fahren will. Er fährt praktisch ohne Ziel, einfach nur, weil es ihm gefällt. Das Fahren vermittelt eine Art von Freiheit, Unabhängigkeit. Was soll es ihn kümmern, was die anderen über ihn denken oder sagen, wenn er doch sein Auto hat, das ihn zu Orten bringt, wo andere vielleicht nicht hinkommen? Und sind wir ehrlich: durch die Nacht zu fahren macht doch wirklich Spaß. Und wenn man dies dann noch in LA tun kann... Der Soundtrack des Films ist ebenfalls perfekt zugeschnitten. Elektronischer Sound, das Ticken einer Uhr in brenzligen Situationen und Melancholie für die Romantik. Nachdem ich den Film gesehen habe, habe ich die Songs immer wieder gerne gehört. Sie unterstreichen diesen Film und sind immer genau zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt. Ich bin also sehr beeindruckt von Drive. Nachdem ich die ein oder andere Filmkritik über den Film gelesen hatte, bin ich vorherige Woche eher zufällig darauf gestoßen. Freitag-Nacht habe ich ihn auf 3sat entdeckt und dann musste ich ihn einfach sehen. Da hat er mich nicht mehr losgelassen und ungefähr einen Tag später kam er sonntags in den frühen Morgenstunden (ich glaube 3 Uhr) zur Wiederholung und dann habe ich ihn nochmal gesehen. Ich habe mir also zwei Nächte um die Ohren geschlagen (was ich ja wegen dem Schreiben sowieso nicht gerade selten mache), um den Film nochmal zu sehen. Also, ich finde Drive wirklich spitze und kann ihn allen empfehlen, die auf Action, Poesie und Ryan Gosling stehen... ;-)

 

Drive Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=avFFeY-1-Uw

 

Links zum Soundtrack:

Kavinsky - Pacific Coast Highway : https://www.youtube.com/watch?v=iADaqvcJr94

Chromatics - Tick Of The Clocks : https://www.youtube.com/watch?v=vWD7k6TrJ-g

Kavinsky - Nightcall : https://www.youtube.com/watch?v=MV_3Dpw-BRY

College feat. Electric Youth - A Real Hero : https://www.youtube.com/watch?v=wcV1UpZAWAc

Desire - Under Your Spell : https://www.youtube.com/watch?v=jRyXtrWd_p8&spfreload=10

Riz Ortolani - Oh My Love : https://www.youtube.com/watch?v=JPJmaizKdeQ

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Kino

Eyes Wide Shut - über Liebe, Drama und verborgene Fantasien

Autorin: Gianna Maria Frank

Datum: 16.07.2016

 

Eyes Wide Shut. Der letzte vollendete Film des US-amerikanischen Filmregisseurs Stanley Kubrick, der wenige Tage nach der Fertigstellung des Filmschnitts im Jahre 1999 verstarb. Eyes Wide Shut ist die Verfilmung des Buches Die Traumnovelle von Arthur Schnitzler, über das ich im vorherigen Bericht schrieb. Wie zu erwarten ist, gibt es im Film natürlich einige Unterschiede zum Buch. Zum Einen ist der Handlungsort nicht Wien, sondern New York, wobei der Film aber größtenteils in London gedreht wurde. Statt Pferdekutschen und spärlich leuchtenden Kerzen, gibt es helle elektrische Lichter, die das Stadtbild von New York beträchtlich prägen. Auch die Protagonisten tragen im Film andere Namen. Dr. William „Bill“ Harford (Tom Cruise), der im eigentlichen Sinne Fridolin darstellen soll, und seine Frau Alice (Nicole Kidman), im Buch Albertine, befinden sich zusammen auf der Weihnachtsparty ihres guten Freundes Victor Ziegler (Sydney Pollack), der in der Traumnovelle allerdings nicht vorkommt. Sowohl Bill als auch Alice flirten auf dieser Party mit anderen Gästen, obwohl das Ehepaar gerade noch ihre doch so traumhafte Fassade gewahrt hat und zusammen über´s Parkett schwebten. Man könnte den beiden Stunden dabei zusehen, wie sie elegant und nur zart aneinander geschmiegt das Tanzbein schwingen. Doch so kann es natürlich nicht bleiben, weil es ja noch viele andere Gäste auf der Party zu entdecken gibt. Bill trifft einen alten Studienfreund namens Nick Nightingale (Todd Field), im Buch Nachtigall (hier hat man offenbar Wert darauf gelegt, dass „Nachtigall“ auch im Film bleibt), der mittlerweile als Pianist arbeitet. Im Buch treffen sich Fridolin und Nachtigall in einem Kaffeehaus, nachdem Fridolin am Sterbebett vom Wiener Hofrat war. Im Laufe des Abends wird Bill von Ziegler in dessen Badezimmer geholt, weil sich dort eine Dame namens Mandy (Julienne Davis) befindet, die unter starkem Drogeneinfluss steht. Offenbar hatte Ziegler gerade Sex mit Mandy, die kaum noch ansprechbar ist. Als sie sich wieder einigermaßen erholt hat, verspricht Bill ihr, niemandem von dem Vorfall zu erzählen. Drogen spielen im Film auch zwischen Bill und Alice eine Rolle. Nach der Party konsumieren beide Marihuana und es kommt zum Streit über Untreue und Eifersucht. In weißer Unterwäsche, in der von Alice nicht viel verborgen bleibt, schreit sie ihren Mann an. Sie konfrontiert ihn damit, dass es Millionen Jahre Evolution gegeben hat und es bei Frauen trotzdem immer nur um Sicherheit und Verpflichtungen and whatever the fuck else ginge. If you men only knew, sagte sie noch, was den Streit so richtig in Anlauf bringt. Das Extrem des Drogenkonsums wird in der Traumnovelle nicht thematisiert. Viele dürften froh darüber sein, da es die Galanterie, die dort zwischen Albertine und Fridolin trotz allem immer besteht, dahinraffen würde. Nicht, dass es etwa im Film so was Derartiges nicht geben würde. Wenn Nicole Kidman als Alice in ihrer schwarzen Abendrobe aus Spitze, fast durchsichtig auf Busen, Schultern und Armen, und blonden Engelslocken, die elegant nach oben gesteckt sind, den Tanzsaal der Party betritt, ist Verführung sicher. Sie bewegt sich glamourös, damenhaft, sich ihrer Schönheit und Ehre durchaus bewusst. Sie wirkt nicht gerade so als wäre sie schüchtern oder unsicher. Nun, Albertine ist das vielleicht auch nicht ganz, aber wenn ich über sie lese, kommt sie mir immer etwas schüchterner vor als ihr Film-Ich Alice. Das liegt wohl auch daran, dass es sich bei dieser Protagonistin um die hübsche Nicole Kidman handelt (die ihre Rolle sehr gekonnt und ausgezeichnet spielt), bei der die wenigsten Schüchternheit vermuten dürften. Nur stellte ich mir Albertine immer etwas anders vor und tue es auch gewiss noch, wenn ich Die Traumnovelle lese. Ich denke vielleicht an die damals rothaarige und hübsche Julia Capulet (Claire Danes) aus der Verfilmung von Romeo und Julia (1996; mit Leonardo DiCaprio als Romeo; Regie: Baz Luhrmann), die ebenfalls eine bezaubernde Verführung ausstrahlte, aber mir manchmal etwas unsicher vorkam. Oder an eine schöne junge Frau mit Locken im adligen Gewand. Aber sind wir ehrlich: jeder hat seine eigene Vorstellung von Figuren in einem Buch. Gerade in Lieblingsbüchern versucht man sich intensiver damit zu befassen oder will vielleicht sogar unbedingt wissen, wie die Figuren aussehen. Aber das geht nicht selten negativ aus. Illusionen werden zerstört, es macht keinen Spaß mehr das Buch zu lesen, weil nun diese gewisse Fantasie fehlt, die man sich aber vorher selber in Stunden aufgebaut hat oder man mag das Buch dann vielleicht gar nicht mehr, weil einem die Figuren oder die Illustrationen auch nicht mehr gefallen. Nun finde ich es also besser, nicht alles über ein Buch zu wissen oder zumindest nicht unbedingt, wie die Figuren denn aussehen. Denke ich an Bücher, die verfilmt wurden, ist das oft so ein Zwiespalt. Lese ich ein Buch zu dem es bereits die Serie oder den Film gibt, denke ich oft an die Differenzen. „Das hat der/die aber nicht so gesagt.“ oder „So sieht die handelnde Person doch gar nicht aus, wie es hier im Buch beschrieben wird.“ Wir werden dann immer an die Darsteller aus Film oder Serie denken, wenn wir das Buch dazu lesen. Wenn ich von Harry Potter höre, denke ich zum Beispiel seit dem Jahre 2001 an den Protagonisten Daniel Radcliffe. Da kam nämlich die erste Verfilmung (Harry Potter und der Stein der Weisen) der Bücherreihe heraus. Und obwohl ich doch zumindest ein Buch vor dem Film gekannt habe (das erste was ich aus der großen Reihe hatte, war Harry Potter und der Gefangene von Askaban aus dem Jahre 1999), wo auch noch ein Junge auf dem Cover illustriert war (der natürlich auch sehr stark an Daniel Radcliffe erinnert), dachte ich beim Lesen nach dem Film nur noch an die Protagonisten und wie sie aussehen. Oder liest heutzutage noch jemand Harry Potter, ohne an Daniel, Emma, Rupert und Co. zu denken? Ähnlich ist es auch bei Twilight. Schon alleine, wenn man diesen Namen hört, denkt man an Robert Pattinson und an Kristen Stewart. Und wenn man dann die Bücher liest, wahrscheinlich erst recht. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich nie bei diesem „Vampir-Hype“ dabei war. Ich habe nicht ein einziges Buch von Twilight gelesen und nur versucht, einen Film davon zu schauen (nämlich den ersten namens Biss zum Morgengrauen, 2008). Beeindruckt hat mich das aber (leider) nie. Ich konnte einfach diesen Hype von Millionen Mädels nicht verstehen, die Vampire so anziehend fanden, als das doch alles so IN war. Vampire waren die besseren Menschen und in den Augen vieler Frauen und Mädels die besseren Kerle. Oder wer will nicht mal, wie Bella von Edward, von einem Vampir gebissen werden? Ich kenne jedenfalls noch die Art von Vampir, wie sie zum Beispiel bei Der kleine Vampir (ich hatte das Buch Der kleine Vampir und der unheimliche Patient, 2000) vorkam. Kleine Bleichgesichter mit schwarzem Haar und Gewand. Dunkel geschminkte Augen und spitzen weißen Zähnen, einen kleinen Schelm im Nacken. Man konnte sie gern haben, man konnte sie putzig finden oder man konnte sich auch hier darüber aufregen, dass echte Vampire in Wahrheit nie so wären. Aber ob ein Vampir so wie Edward wäre, ist doch auch irgendwie fraglich. Spätestens mit Interview mit einem Vampir (1994, Regie: Neil Jordan; mit Tom Cruise, Kirsten Dunst, Brad Pitt...) veränderte sich der „typische“ Vampir wie er mal war, in einen blassen Kerl mit rotstichigen Augen und wurde nur noch selten so verwendet, wie der kleine Vampir aber trotzdem später noch. Jedenfalls wäre es sehr langweilig, wenn wir alle Figuren, die in Büchern vorkommen, äußerlich kennen würden. Schließlich wäre dann die ganze Magie und Fantasie dahin. Oft kann es aber eben nicht vermieden werden. Das liegt größtenteils auch daran, dass sich viele Regisseure bei der Literatur bedienen und verdammt viele Bücher verfilmt werden. Aber trotz der Spitzenmäßigkeit der meisten Filme, denke ich doch, dass ein Film nie so viel ausschöpfen kann, wie ein Buch das tut. Mit geschriebenen Worten kann man, gerade bei Literaturliebhabern, so viele Emotionen und Gefühle, vielleicht sogar eine sehr starke Sentimentalität erzeugen. Aber mit Filmen geht das natürlich auch sehr gut. Das möchte ich in keinem Fall leugnen. Es gibt auch Sorten von Büchern, die sind geschrieben, wie ein fertiges Drehbuch. So etwas favorisiere ich nicht, weil wenn ich lese, möchte ich die Literatur möglichst vom Film trennen, da sonst die Fantasie wieder nichts zu tun hat. Es gibt schließlich Gründe dafür, warum es die Literatur gibt und warum es Drehbücher gibt, die als Anleitung für einen Film gelten, wie ich es gerne sage. Kubrick hat sich bei vielen (oder fast sogar bei allen seinen Filmen) an der Literatur orientiert. Full Metal Jacket (1987; übrigens der vorletzte Film von Kubrick) basiert auf den Romanen The Short-Timers (deutscher Titel: Höllenfeuer) und Dispatches (deutscher Titel: An die Hölle verraten), Shining (1980; einer meiner liebsten Horrorfilme) ist die Verfilmung vom gleichnamigen Roman (im Englischen beides The Shining), Barry Lyndon (1975) basiert auf Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon und Eyes Wide Shut ist ja die Verfilmung der Traumnovelle. Diese Liste könnte man natürlich auch noch weiter fortsetzen. Aber selbstverständlich sind die Filme nie haargenau so gestaltet, wie es im Buch vielleicht wirken soll. Das geschieht auch, glaube ich, in recht wenigen Filmen und ist auch ganz gut so. Während dem Streit zwischen Alice und Bill gesteht sie ihm, dass sie im Urlaub einen jungen Marineoffizier kennenlernte. Ein Wort von ihm hätte genügt und sie wäre ihrem Mann untreu geworden, wie sie selbst gesteht. Bill kann die Aussage seiner Frau gar nicht richtig fassen. Allerdings muss er weg, da das Telefon läutet. Einer seiner Patienten ist gestorben. Als er im Taxi sitzt, stellt er sich Alice und den Marineoffizier bei einer innigen Liebelei vor und macht sich verunsichert Vorwürfe, dass er die erotischen Fantasien seiner Frau nicht im Griff habe. Als er bei dem toten Patienten ankommt, trifft er dort auf dessen Tochter Marion (Marie Richardson), im Buch Marianne. Sie wartet auf ihren Bräutigam, aber küsst Bill ganz plötzlich und stammelt herum, dass sie ihn liebe. Das ist hier ganz offensichtlich dargestellt. Im Buch ist es etwas verborgener geschrieben. Man merkt dort zwar eine innige Atmosphäre, aber Marianne kommt einem zu schüchtern ´rüber und gesteht Friolin nicht so offensichtlich ihre Liebe. Bill kann nur beruhigend auf sie einreden und verabschiedet die junge Dame dann. Da Bill die Worte seiner Frau noch immer nicht glauben kann, macht er sich herumirrend auf den Heimweg. Dort trifft er auf eine Prostituierte, mit der Bill auch mitgeht. Als er in in ihrem Apartment sitzt, klingelt sein Handy, denn Alice ruft an. Sie möchte wissen, wann er denn nach Hause kommt. Direkt nach dem Anruf verabschiedet sich Bill also von Domino und es kommt nicht zum Sex zwischen den beiden. Doch Bill geht noch nicht nach Hause. Er betritt einen Jazzclub namens „Sonata Café“, im Buch das Kaffeehaus. Hier trifft er Nick Nightingale wieder. Er wartet auf einen Anruf, der ihm Gewissheit darüber geben wird, ob er in dieser Nacht noch einen Auftritt haben wird. Dies sei eine Veranstaltung, bei der er mit verbundenen Augen spielen solle und bei der es sich um wechselnde Orgien handle. Bill ist sehr neugierig darauf und während Nick tatsächlich telefoniert, notiert er das Passwort Fidelio auf einer Serviette, das Bill liest. Nach dem Telefonat überredet Bill ihn, ihm die Adresse zu verraten. Da alle Teilnehmer dieser Veranstaltung verkleidet sind, macht sich Bill auf den Weg zu einem Maskenverleih eines Patienten. Allerdings hat der Laden bereits einen neuen Besitzer, der Bill für 200 Dollar eine Maske und einen schwarzen Umhang mit Kapuze leiht. Mit einem Taxi fährt Bill zu einer recht abgelegenen Villa nach Long Island. Da er das Passwort kennt, öffnen ihm die Wächter das Tor. Wie Nick erzählte, spielt er tatsächlich Piano mit verbundenen Augen. In der großen Halle legen Frauen mit venezianischen Masken ihre Umhänge ab, was von einem Hohen Priester in Rot kommandiert wird. Das Ritual geht weiter, als sich die nun nackten Frauen maskierte Männer mit Mönchskutten auswählen und sich mit ihnen zurückziehen. Als Bill durch die Halle geht, sieht er überall Paare und Dreiergruppen, die miteinander Sex haben. Jedoch wird er von einer dieser Frauen gewarnt. Bill wird also, wie im Buch auch, als Eindringling erkannt und hier sogar zum Tode verurteilt. Allerdings entgeht er der Hinrichtung, da sich eine der Frauen für Bill opfert. Bill möchte mehr über diese Veranstaltung erfahren und sucht gleich am nächsten Tag nach Nick. Diesen kann er allerdings, auch nach intensiver Suche im Café, im Hotelzimmer Nick´s und sogar bei Domino, nicht finden. In der Zeitung liest Bill, dass die Gewinnerin einer Misswahl gestorben ist. In der Klinik erfährt es, dass es sich um die Frau handelt, die sich in der Nacht für ihn geopfert hat. Sie hatte wohl eine Überdosis an Drogen zu sich genommen, aber er vermutet, dass sie getötet wurde. Bill wird später von Victor Ziegler zu sich gebeten und dieser gesteht, dass er in der Nacht ebenfalls in der Villa gewesen und so auch Zeuge sei. Dass er Bill davor warnt, weitere Nachforschungen anzustellen, zeigt, dass er selbst zu dem Geheimbund der orgiastischen Rituale gehört. Victor meint alle Fragen Bill´s plausibel und harmlos erklären zu können. Der Tod des Mädchens sei nur ein reiner Zufall und Nick säße im Flugzeug nach Seattle, wo seine Familie lebe. Bill geht also nach Hause. Alice schläft bereits und neben ihr liegt auf dem Kopfkissen die Maske, die er glaubte verloren zu haben. Obwohl er seiner Frau nicht fremd gegangen ist, hat er sie seiner Meinung nach doch gedanklich betrogen. Er möchte ihr nun alles über die letzte Nacht berichten und zeigt Reue. Die beiden beenden ihre Ehekrise und haben nun beide mehr Verständnis füreinander. Als Alice, Bill und ihre kleine Tochter Helena (Madison Eginton) die Weihnachtseinkäufe erledigen, sagt Alice zu Bill, dass sie nun froh sein können, dass sie aus den Träumen und Fantasien erwacht sind. Und die Hauptsache sei, dass sie nun auch wach bleiben. In der Art endete auch die Traunovelle, wenn auch nicht beim Einkaufen, sondern im Schlafzimmer von Albertine und Fridolin. Der Sinn bleibt der Selbe. Im Film wird die Bedeutung natürlich durch eindeutige Szenen und Handlungen verstärkt. Das Sexuelle wird viel offensichtlicher und wohl auch moderner thematisiert, als im Buch von 1925. Wie viel Wahrheit verträgt eine Ehe? Wie kann der verstärkte Sexualtrieb eine Ehe zerstören? Diese Fragen dürften im Film deutlich beantwortet werden. Der Film wurde vor seinem Erscheinen, wegen der vorher erwartenden sexuellen Obsession, als „heißester Film des Sommers“ angekündigt. Aber Eyes Wide Shut ist kein sexistisches und skandalöses Werk. Es geht hier nicht nur um Sex. Man setzte sich mit ernsthaften Themen und Fragen auseinander, die kunstvoll, irgendwie auch in einer mystischen Art und in Form dieser spitzen Verfilmung dargestellt wurden. Es gibt sicher Leute, die diesen Film obszön finden uns sich so gar nicht damit anfreunden können. Man muss eben die Tiefgründigkeit von Eyes Wide Shut und auch von der Traumnovelle erkennen. Vielleicht erwartet man ja auch etwas ganz anderes, bevor man den Film gesehen oder das Buch gelesen hat. Wenn man den Titel Traumnovelle hört oder liest, dann denkt man vielleicht an ein romantisches und verträumtes Schriftgut, in dem Verliebtheit eine große Rolle spielt. Oder man denkt an Ein Sommernachtstraum von Shakespeare. Das waren jedenfalls meine Gedanken, als ich den Titel des Buches zum ersten Mal las. Aber obwohl diese nicht ganz erfüllt worden sind, enttäuschten mich weder Buch noch Film. Ich finde beides spitze. Man lernt viel über Fantasien und Träume. Beides hat ein lehrreiches Ende.

 

 

 

Was man mitunter im Wachen nicht genau weiß und fühlt – ob man gegen eine Person ein gutes oder ein schlechtes Gewissen habe – darüber belehrt völlig unzweideutig der Traum.

 

- Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900), deutscher Philosoph, Essayist, Lyriker und Schriftsteller

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Literatur

Die Traumnovelle von Arthur Schnitzler

Autorin: Gianna Maria Frank

Datum: 20.05.2016

Die kleine Tochter des Arztes Fridolin und seiner Frau Albertine, liest vor dem Schlaf aus einem Buch vor. Bald fallen dem Mädchen beinah die Äuglein zu und Fridolin küsst sie auf das blonde Haar. Es ist nun Zeit schlafen zu gehen. Die Eltern schauen sich lieblich und zärtlich lächelnd an. Die Kleine reicht Mutter und Vater die Lippen zum Kuss und lässt sich von dem Fräulein aus dem Raum führen. Mit diesen traumhaften Handlungen beginnt Die Traumnovelle von Arthur Schnitzler, die 1925 zum ersten Mal in Berlin kapitelweise in der Modezeitschrift Die Dame erschien. Später noch sitzen Fridolin und Albertine beisammen, bei Austern und Champagner, und plaudern vergnügt, als hätten sie eben erst Bekanntschaft miteinander geschlossen. Sie plaudern sich in eine Komödie der Galanterie und der Verführung hinein. Harmonie und ein heiß erlebtes Liebesglück, das sich regelmäßig in den Armen liegt, so erfährt man es hier. Vorerst! Man kann sich noch so sehr wünschen, dass diese harmonische, aber auch verführerische Leidenschaft zwischen Fridolin und Albertine anhält, aber die Geständnisse, die sich die beiden zu erzählen haben, lassen nicht lange auf sich warten. Nicht zuletzt deshalb, weil Albertine unzufrieden mit ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau ist. Sie trauert ihrer Jugend nach, die eher durch Vernunft geprägt war. Sie konnte diese nicht richtig genießen, weil sie jungfräulich in die Ehe gehen sollte. Aber natürlich werden diese Bedenken, wegen dem nicht denkbaren Ausbruch aus dem klassischen Familienalltag, verworfen. Es fällt immer schwerer, das vermeintlich immer harmonische Eheleben und die private Erfüllung zwischen den beiden miteinander zu verbinden und die tolle Fassade zu wahren. Kaum ist der graue Morgen angebrochen, tritt auch die Wirklichkeit wieder hervor. Manchmal ist die Nacht eben wie ein schöner Schleier, der durch die dennoch leichte Dichte das verdeckt, an das wir nicht denken wollen, weil es nicht schön ist, aber trotzdem durchsichtig genug ist, um das wahrlich Schöne zu sehen und daran festzuhalten. Fragen brauen sich nun wieder in beiden Köpfen zusammen und die Antworten darauf, die erfolgen bloß doppeldeutig. Beide wissen, dass es verborgene Geheimnisse gibt und dass ein Stück zur vollkommenen Aufrichtigkeit fehlt. Auch wenn es nur ein Stück ist, ist es trotzdem da. Und dieses versuchen Fridolin und Albertine mit leichtem Geplauder zu verschleiern, doch trotzdem wird daraus ein ernstes Gespräch über jene kaum geahnten und verborgenen Wünsche, die in den beiden schlummern. Selbstquälerisch und irgendwie neugierig, versuchen die beiden sich gegenseitig Geständnisse zu entlocken. Sie denken zurück an jene erholsamen Tage in Dänemark, in denen sowohl Albertine, als auch Fridolin erotische Erfahrungen mit Fremden verlebten. Diese gestehen sich die beiden nun und Fridolin bemerkt die Unzufriedenheit Albertines. Doch das Gespräch wird unterbrochen, als Fridolin seinen ärztlichen Pflichten nachgehen muss und zum Wiener Hofrat gerufen wird, welcher einen Herzinfarkt erlitten hat und daraufhin verstirbt. Die anwesende Tochter des Hofrats will nun schweren Herzens ihrem Verlobten an die Göttinger Universität folgen, ist aber heimlich in Fridolin verliebt, wie beim Lesen zu erkennen ist. Man spürt eine gewisse Verbindung zwischen den beiden und merkt, dass die Frau Fridolin gefällt. Im Geruch von Kölnisch Wasser und Rosenseife, nimmt Fridolin den süßlich faden Geruch von Marianne wahr. Fridolin will schon nach Hause zurückkehren, doch läuft letztlich doch ziellos durch das nächtliche Wien. Auf seinen Wegen trifft er eine Prostituierte, deren blutroter Mund Fridolin sofort auffällt. Fridolin will die junge Frau bezahlen, um ihr sein Herz auszuschütten. Obwohl Fridolin Albertine bei seinem Abschied vorhin einen Kuss gab, der so wirkte, als wäre das Gespräch voller Geständnisse schon wieder aus seinem Gedächtnis verschwunden, lässt es ihn in Wahrheit nicht los. Als er wieder allein auf seinen Wegen durch Wien ist, kehrt er schließlich in ein Kaffeehaus ein, wo er auf einen alten Kommilitonen namens Nachtigall trifft, der Fridolin von ausschweifenden Bällen und Festen berichtet. Obwohl Fridolin das nicht ohne Zweifel betrachtet, geht er mit Nachtigall, verkleidet, zu einem dieser Bälle, bei dem der Pianist die Augen verbunden trägt. Fridolin fällt unter all den als Mönche und Nonnen verkleideten Gästen sofort auf. Natürlich überkommt ihn ein unbehagliches Gefühl, aber selbst der Rat einer Nonne kann Fridolin nicht davon abhalten, zu bleiben. Da Fridolin erneut mit der Nonne ins Gespräch kommt und sie demaskieren will, droht sie mit Strafen, die eine Demaskierung mit sich zieht. Das Gespräch (oder besser gesagt, die Auseinandersetzung) bleibt von den anderen nicht unbemerkt und somit wird Fridolin als Fremder erkannt. Er soll seine Maske abnehmen und wird schließlich des Saales verwiesen und zusätzlich gewarnt, dass er weder Nachforschungen anstellen, noch jemandem von den Geschehnissen dieser Nacht erzählen solle. Schließlich macht sich Fridolin auf den Weg nach Hause und versteckt sein Kostüm. Als er zu Bett gehen will, merkt er, dass seine Gattin einen Albtraum hat und weckt sie, weil er von dem Traum hören will. In dem Traum ging es wieder um die Leidenschaft zwischen den beiden und dass Albertine sich schließlich ihren erotischen Wünschen hingab, aber Fridolin gefoltert wurde. Ihre Affären, über die sich Fridolin und Albertine in jener Nacht gegenseitig ausgetauscht hatten, erschienen auch darin. Fridolin wurde dazu aufgefordert, sich ebenfalls seinen erotischen Fantasien hinzugeben, wenn nicht, solle er gekreuzigt werden. Anstatt im Traum Mitleid für ihren Mann zu empfinden, lacht Albertine ihn aus. Nachdem Albertine Fridolin von ihrem Traum erzählt hat, ist ihr Gatte sehr aufgelöst und entsetzt. Er hält die Ehe für gescheitert. Die Geschehnisse im Traum setzt er nun mit den realen gleich. Noch sagt er Albertine nicht die Wahrheit über die Nacht, aber hat vor es bald zu tun. Er will mit der Anweisung brechen und nun am nächsten Tag doch Nachforschungen anstellen, was den Ball und die Geschehnisse in der Nacht betreffen. Das gestaltet sich aber als durchaus schwierig, weil die Personen, mit denen er sprechen will, nicht anzutreffen sind. Als Fridolin wieder nach Hause kommt und seiner Frau nun letztendlich doch diese Nacht beichten will, sieht er neben seiner schlafenden Albertine seine Maske. Albertine muss sie absichtlich dort hingelegt haben. Als Albertine erwacht, erzählt Fridolin ihr alles und sie vergibt. Sie stellen fest, dass nun alle Träume vorüber sind, dass sie erwacht sind und dass ihnen in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet wurden. So lagen sie, er auf ihrer Brust, schweigend. So lange, bis der neue Tag mit einem Kinderlachen begann...

 

Eindeutig merkt man, was der Autor mit diesem Buch kritisieren will. Nämlich sind dies Zwänge und Unterdrückungen, hier in einer Familie bei der die Fassade sehr gut erscheint, aber es unter der Oberfläche Fantasien gibt, die niemand wissen soll, die niemand verstehen würde. Ob es sich nun um Liebe, Träume handelt. Traumwelten haben eine enorme Bedeutung in unserem Leben. Sie spiegeln unsere geheimen Wünsche, Fantasien und Erlebnisse wieder. Werden wir in eine Schublade gezwängt, belastet uns das. Es lässt uns nicht los und man kann es sogar mit in die Ehe nehmen, besonders wenn es damit etwas zu tun hat. Das merkt man auch ganz deutlich bei Albertine. Wegen Zwang, und somit ja wohl auch dem Druck von Außen, ging sie mit Fridolin in die Ehe, ohne vorher mit einem Mann geschlafen zu haben. Und das obwohl sie es so nicht wollte. Sie nahm ihre Wünsche und Fantasien, die wohl auch in der Ehe nicht ausreichend erfüllt worden sind, mit in ihr vermeintlich neues Leben. Stattdessen war sie „nur“ noch Hausfrau und Mutter und fühlte sich so, als gäbe es für ihre wahren Wünsche kein Platz mehr. Hier könnte man einen weiteren Zwang hineininterpretieren, der berufliche und akademische Gründe hat. Während Fridolin in seinem Beruf als Arzt vollkommen aufblüht, könnte es sich Albertine doch auch mit ihrer Unzufriedenheit als Hausfrau etwas anderes gewünscht haben. Vielleicht wollte auch sie einen anderen Beruf haben, der zwar viel von ihr abverlangt, aber sie trotzdem glücklich macht. Genau wie es eben bei ihrem Mann der Fall ist. Für ihn ist es schließlich auch nicht immer leicht, früh am Morgen zu Bette gerufen zu werden. Trotzdem geht er in seinem Tun auf. Und das höchstwahrscheinlich, weil es seine Leidenschaft ist und sein Wunsch Arzt zu werden, nicht unterdrückt wurde. Das allerschönste ist es doch, wenn man eine Leidenschaft hat, die man zum Beruf machen kann. Wenn jemand zum Beispiel einen künstlerischen Beruf ausüben will, dann warum, verdammt nochmal, nicht? Dafür gibt es doch zisch Möglichkeiten. Würde es die Kunst, zum Beispiel die des Schreibens (Autoren, Drehbuchautoren, Dichter etc.), nicht geben, dann wäre es gar nicht auszudenken, was alles fehlen würde. Da würde so viel Unterrichtsstoff wegfallen, dass sich die Schule gar nicht lohnen würde. Es würde keine Literatur geben, die so viele und auch ich so sehr vergöttern. Es würde keine Kunst geben und somit auch keine Kunstgeschichte, die in der Schule im Unterrichtsfach der Kunsterziehung gelehrt wird. Und es würde sicherlich auch keine Mathematik geben, weil auch da die Kunst des Rechnens und der Logik drinsteckt. Druck hilft uns nicht weiter. Es ist das letzte, das irgendwie hilft. Viel lieber sollten wir, solange es im Rahmen der Gesetze bleibt und wir niemand anderen damit verletzen, unseren Wünschen und Fantasien freien Lauf lassen und uns nicht, wie es Albertine noch lange Zeit getan hat, weil andere für sie bestimmt haben, unterdrücken lassen. Ich ziehe viele Lehren aus diesem Buch und bin da sicherlich nicht die einzige. Zum Beispiel auch jene, dass wir uns durch die Unterdrückung von Träumen und Begierden, von dem eigenen Partner entfremden können. Das erfolgt hier wechselseitig. Es ist, als würde diese Krise zwischen den beiden in Gedanken entstehen und soll so auch wieder bewältigt werden. Sie kehren ins jeweilige eigene Ich und wollen dort Antworten finden. Eine Entdeckungsreise in der eigene Psyche soll stattfinden. Ohne dem anderen etwas zu erzählen, will man die Probleme also mit sich selbst ausmachen. Am Ende wird den Protagonisten aber schließlich doch noch vermittelt, dass man mit dem Unbewussten die Probleme nicht löst. Dass schließlich die Aussprache und die Ehrlichkeit zwischen den beiden, der Schlüssel zur Lösung der Problematik ist. Denn schließlich hat Albertine Fridolin durch diese Aussprache am Ende vergeben können und beiden Protagonisten wurden, im symbolischen Sinne, wieder die Augen geöffnet. Sie wissen nun wieder, was wirklich zählt und wie sie's in Zukunft vielleicht besser machen können, was ihre Ehe und das Familienleben betrifft. Die Maskenspiele, die hier auch einen symbolischen Wert haben, haben mit der Aussprache ein Ende. Es wurde viel versteckt, weil man über etwas nicht reden darf oder kann. Auch wenn die Demaskierung Folgen haben kann, so wie es einst die Nonne auf dem Ball Fridolin erläuterte, ist sie hier doch notwendig, damit es zwischen Albertine und Fridolin wieder gut ist. So bekommt der Leser vielleicht doch die Hoffnung wieder, dass diese verführerische Leidenschaft zwischen den beiden wieder aufblüht und sie beisammen sitzen, bei Austern und Champagner und wieder so plaudern, als hätten sie sich eben erst kennengelernt. Ich für meinen Teil liebe Schriftstücke, die eine solche Galanterie in sich tragen. Die Traumnovelle von Arthur Schnitzler ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. 

 

 

Beim nächsten Mal geht es um die Verfilmung der Traumnovelle namens Eyes Wide Shut ...

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